Sponsoren fordern Umdenken im Sport

Quelle: Michael Setzpfandt

Der organisierte Sport muss umdenken. Zumindest wenn es um seine Zukunft in den Medien geht. „Wir müssen darüber nachdenken, nicht an Dogmen festzuhalten. Wir müssen darüber diskutieren, ob jede Olympische Sportart auch im TV stattfinden muss“, forderte Stephan Althoff, Vorstandsvorsitzender der deutschen Sportsponsorenvereinigung S20 am Mittwoch in Berlin. Bei der gemeinsam vom VBKI (Verein der Berliner Kaufleute und Industrielle) und dem Verband der Sportjournalisten Berlin und Brandenburg veranstalteten Gesprächsreihe „Sport.Politik.Berlin. – Impulse aus der Hauptstadt erklärte Althoff: „Die Frage muss gestattet sein: Gibt es ein bisschen viel Sportarten im TV, ist das Angebot zu groß?“

In der von Gaby Papenburg moderierten Runde diskutierten ZDF-Sportmoderatorin Kathrin Müller-Hohenstein, der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper, ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky und Stephan Althoff zum Thema „Marktplatz TV-Rechte“ vor mehr als 100 Gästen am VBKI-Sitz in der Berliner Fasanenstraße.

Stephan Althoff, Leiter Konzernsponsoring und Konzernevents Deutsche Telekom, sieht der immer größer werdenden Zahl an Anbietern von Sportübertragungen mit einer gewissen Skepsis entgegen. „Wir als Sponsor haben das Interesse, weiter als Marke stattzufinden und das nicht hinter verschlossenen Türen“, sagte er auf die von Axel Balkausky in den Raum geworfenen Frage: „Welche Auswirkungen hat es auf den Fußball, wenn von der Champions League ab 2018 in Deutschland kein Bild mehr im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen ist?“ Die von ihm angesprochen Vorbildfunktion für Nachwuchssportler war für Michael Vesper jedoch auch Anlass zur Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen Sendern: „Da wird ein Spiel der 3. Liga einer Welt- oder Europameisterschaft in einer Olympischen Sportart vorgezogen. Das muss nicht sein, da hat man auch einen Auftrag. Sportarten brauchen eine gewisse Öffentlichkeit.“

Für Axel Balkausky quasi eine Steilvorlage: „Wir haben im vergangenen Jahr 46 Prozent Olympische und sonstige Sommersportarten und Ballsportarten, 35 Prozent Wintersport und 19 Prozent Fußball übertragen.“ Es zeige sich aber auch immer wieder, dass viele Sportarten nicht auf ein großes Publikumsinteresse stoßen würden, was beispielsweise die Basketball-Europameisterschaft in Deutschland trotz der Teilnahme von Superstar Dirk Nowitzky gezeigt habe. „Die Telekom überträgt auf ihrer Plattform 400 Spiele der Basketball-Bundesliga. Da sind die Nutzerzahlen manchmal ernüchtern, manchmal aufmunternd, wenn es in die Play-offs- geht“, stimmt Althoff zu.

Der Telekom-Manager plädierte deshalb vehement für Kooperationsgespräche verschiedener Anbieter analog des Modelles der 3.Liga. Dabei überträgt die Telekom alle Spiele mit ihrem Dienst EntertainTV, gleichzeitig aber überträgt die ARD ausgewählte Spiele. Balkausky: „Die Aufspaltung des Marktes wird weitergehen. Sport ist immer der Einstieg für eine neue Medienentwicklung.“