Sportlicher Nachwuchs zwischen Fördern und Fordern

Welchen Leistungssport wollen wir für unsere Kinder? Diese und weitere Fragen diskutierten am 12. April in Berlin ALBA-Vizepräsident Henning Harnisch, Füchse-Manager Bob Hanning, DOSB-Vorstand Dirk Schimmelpfennig und der Journalist Friedhard Teuffel. Unterschiedliche Ideen und Konzepte prägten den munteren Talk.

Eingeladen zum Diskussionsforum „Sport.Politik.Berlin. – Impulse aus der Hauptstadt“ im Haus des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller e.V. (VBKI) hatten der Verband der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg (VdSBB ) und der VBKI. Durch die Diskussion führte Moderatorin Gaby Papenburg.

Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch VBKI-Präsidiumsmitglied Kaweh Niroomand und Hanns Ostermann, 1. Vorsitzender des VdSBB, betonte Andreas Geisel, Senator für Inneres und Sport in Berlin, in seiner Impulsrede, dass es bei der Förderung von Kindern und Jugendlichen im Sport darum gehe, junge Menschen in einem geschützten Raum zu unterstützen, „damit sie ihren Platz in unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft finden“. Gleichzeitig wies er auf den Zielkonflikt des Leistungssports hin. Einerseits würde dieser immer wieder durch Dopingfälle erschüttert und auf der anderen Seite fordere man immer höhere Leistungen. Für Geisel sei die zentrale Frage: „Welche Anforderungen wollen wir stellen und was können wir verantworten?“

Auf dem Podium saßen bei der anschließenden Talk-Runde zwei ausgewiesene Experten, wenn es um erfolgreiche Jugendarbeit im Sport in Berlin und darüber hinaus geht: Henning Harnisch, Vizepräsident Jugend des Basketball-Bundesligaclubs ALBA Berlin, und Bob Hanning, Manager des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin.

Schul- und Vereinssport zusammenführen

Harnisch forderte eine Sportidee, „mit der alle Kinder schon von der Kita in die Schulen kommen“. Nur über eine Systematik des Sports produziere man keine Zufallserfolge mehr im Leistungssport. „Wir brauchen ein Miteinander von Schul- und Vereinsport“, sagte er. Dafür müssten große Vereine Teil der Bildungsinstitutionen werden und nicht mehr nur Angebote ab 16 Uhr schaffen, wenn die Ganztagschulen vorbei sind.“

Bob Hanning verwies darauf, dass es für die Umsetzung solcher Ideen an Trainern mangele. „Wir haben viele Anfragen, ich könnte sofort 20 Trainer gebrauchen, die in die Schulen gehen“, warf er ein. „Doch um eine C-Lizenz zu erwerben, muss ich bis zu 12 Wochenenden investieren. Das können viele einfach nicht leisten. Hier müssen wir flexiblere Strukturen schaffen.“ Außerdem verwies Hanning auf die mangelnde Wertschätzung, die Trainern oftmals entgegengebracht werde.

Voraussetzungen für Medaillen schaffen

Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport im DOSB, ging auf die unterschiedlichen Facetten des Sports ein: „Unter den Möglichkeiten und Perspektiven die der Sport bietet, stellt der Leistungssport nur einen Teil dar“, erläuterte er. Dem gegenüber stünden unter anderem der soziale Nutzen und die Prävention, die mit dem Sport einherginge. „Wenn ich Team Deutschland und Medaillen will, dann muss ich auch die Systematik dafür schaffen. Dafür haben wir bereits die Bedingungen an den Eliteschulen des Sports verbessert. Jetzt müssen wir das auch an den allgemeinen Schulen und Kitas schaffen.“

Friedhard Teuffel, leitender Redakteur beim Tagesspiegel, wies auf die Strahlkraft von sportlichen Großereignissen wie die Leichtathletik-EM hin: „Was ihr im Stadion seht, das könnt ihr auch machen. Jeder nach seinen Möglichkeiten.“ Er beschrieb Berlin als eine Stadt, in der jeder Sport machen wolle. Angesichts eines knappen Sportstättenangebots sei es wichtig, den öffentlichen Raum zunehmend als Sportraum zu betrachten, beispielweise durch Parksportkonzepte.

Unterstützt wurde die Veranstaltung von der AOK Nordost, dem exklusiven Gesundheitspartner des VdSBB, und der Senatsverwaltung für Inneres und Sport.