DFB-Präsident Grindel: „Der Sonntagnachmittag gehört dem Amateurfußball“

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat sich klar gegen die Austragung weiterer Erstligaspiele an Sonntagnachmittagen ausgesprochen.

Mit Blick auf die Diskussion um Alternativtermine für die ab 2021 abgeschafften Montagabendspiele, machte er sich zum Anwalt des Amateurfußballs. „Der Sonntagnachmittag gehört den Amateuren“, sagte Grindel am Abend des 27. 11. 2018 bei der vierten Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Sport.Politik.Berlin. – Impulse aus der Hauptstadt“, die der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) gemeinsam mit dem Verband der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg (VdSBB) organisiert.

Thema der Diskussionsrunde, an der neben dem DFB-Präsident auch der FAZ-Sportchef Anno Hecker teilnahm, war die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs. Nach der Begrüßung durch VBKI-Präsidiumsmitglied Kaweh Niroomand und den Präsidenten des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, Erich Laaser, sagte Grindel vor rund 150 Gästen aus Sport, Politik, Wirtschaft und Medien: „Der Fußball ist das letzte Lagerfeuer, um das sich alle Teile der Bevölkerung versammeln. Er kann gesellschaftliche Probleme nicht im Alleingang lösen, aber er kann in seinem Verantwortungsbereich zu einer Lösung beitragen.“

Grindel hob insbesondere den Beitrag des Sports zur Integration hervor: „Die Integrationskraft des Fußballs hat für unser Land eine große Bedeutung. Mittlerweile sind 80.000 Flüchtlinge in unseren Vereinen angekommen. Und wir zeigen jedem, der andere wegen ihrer Herkunft, Religion oder sexuellen Orientierung diskriminiert, die Rote Karte.“

Plädoyer für den Amateurfußball

In der von TV-Moderatorin Gaby Papenburg geleiteten Diskussionsrunde gingen Reinhard Grindel und FAZ-Sportchef Anno Hecker der Frage nach, wie es dem Fußball gelingen kann, seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Zwischen den Gesprächspartnern entwickelte sich – auch vor dem Hintergrund der Negativ-Schlagzeilen, die der Fußball abseits des Spielfelds zuletzt geschrieben hat – ein unterhaltsamer und kontrovers geführter Meinungsaustausch.

Anders als sein Gesprächspartner Anno Hecker – „der Profibetrieb ist ein reiner Showzirkus“ – verweist Grindel auf enge Verflechtungen zwischen Profi- und Amateurfußball. Basis und Spitze seien zuletzt weiter zusammengerückt. Grindel sagte, dass zum Beispiel Amateurclubs, deren Spieler später einen Lizenzvertrag in einem Profiverein unterschreiben, eine Ausbildungshonorierung von 4.000 Euro pro  Mitgliedsjahr erhalten. Dadurch sei eine zunehmende Verzahnung von Profi- und Amateurbereich erreicht worden.

Hecker wiederum kann im Profisport keinen Spiegel der Gesellschaft erkennen – genauso wenig wie eine Vorbildfunktion der Profis. „Das Verhalten der Profis auf dem Rasen missfällt mir“, sagte er. Grindel verwies darauf, dass Trainer und Schiedsrichter in Lehrgängen für einen respektvollen Umgang miteinander sensibilisiert würden. Im Zuge des unsportlichen Verhaltens von einigen Betreuern der Nationalmannschaft nach dem Schweden-Spiel bei der WM 2018, betonte Grindel, dass der DFB unmittelbare Konsequenzen gezogen habe.

Die Veranstaltung wurde unterstützt von der AOK Nordost, dem exklusiven Gesundheitspartner des VdSBB und der Senatsverwaltung für Inneres und Sport.